Veruneindeutigungen

Ines Doujaks Projekt »Mahnwache« zur Erinnerung an die Verfolgung von Lesben, Schwulen und transsexuellen Personen in Österreich während des Nationalsozialismus

Die Schwulenwitze nach der Entnazifizierung bleiben die gleichen«, schreibt Hubert Fichte in seinem Roman Hotel Garni. Fichte, der sein Werk auch als literarische Anklage der fortgesetzten Diskriminierung Homosexueller im Nachkriegsdeutschland verstand, hat in seinen Romanen und Essays wiederholt auf die Kontinuitäten nicht nur der gesellschaftlichen Ausgrenzung sondern auch der strafrechtlichen Behandlung Homosexueller hingewiesen. So behielt der seit 1871 existierende und 1935 verschärfte Paragraph 175 des deutschen Strafgesetzbuches, der sexuelle Handlungen zwischen Männern als »Unzucht« unter Strafe stellt, in seiner nationalsozialistischen Version in der Bundesrepublik bis zu seiner Reform ab 1968 seine Gültigkeit, da er »nicht typisch nationalsozialistisch« sei. Während der Adenauer-Ära von 1953 bis 1965 wurden fast 100.000 Homosexuelle nach diesem Paragrafen als »Täter« ermittelt und etwa jeder zweite davon verurteilt. Erst nach 1968 begannen sowohl die zunächst zaghafte wissenschaftliche Aufarbeitung wie auch die Veröffentlichung von autobiografischen Schriften homosexueller KZ-Insassen. Dennoch bedeuten weder die teilweise Abschaffung des NS-Paragrafen noch die wissenschaftliche Auseinandersetzung eine rückwirkende Anerkennung Homosexueller als Opfer des Faschismus. Erst die vollständige Streichung des Paragraphen 1994 beinhaltete auch die Aufhebung aller Urteile gegen Homosexuelle durch die Nationalsozialisten, jedoch nicht automatisch einen Anspruch auf finanzielle Wiedergutmachung.

Ganz ähnlich verlief die Entwicklung der Gesetzeslage in Österreich, mit dem Unterschied, dass dort bereits vor dem »Anschluss« 1938 strengere Gesetze als in Deutschland herrschten. Während in Deutschland durch Gesetze ausschließlich homosexuelle Männer betroffen waren, wandte sich das Strafgesetzbuch in Österreich ausdrücklich an Frauen wie Männer. Festgeschrieben in Paragraph 129, der von 1852 bis 1971 in Kraft war. Etwa 7.000 Personen wurden zwischen 1938 und 1945 in Österreich auf Basis dieses Gesetzes verurteilt, wobei die Urteile auch nach 1945 ihre Gültigkeit behielten. Das Opferfürsorgegesetz von 1945 schloss Homosexuelle aus und auch die Entkriminalisierung von Homosexualität in den 1970ern hatte genau wie in der BRD keine Rehabilitierung der Verfolgten zur Folge. Finanzielle Entschädigungen für die wenigen noch Lebenden ehemals Verfolgten brachte erst das Nationalfondsgesetz von 1995.

Die Anerkennung von Verfolgung fiel der österreichischen Politik schon immer schwer, stilisierte sich das Land doch selbst zum ersten Opfer des Faschismus, das 1938 als »erstes Land vom nationalsozialistischen Deutschen Reich gewaltsam besetzt, in der Folgezeit ausgebeutet und zum Krieg gezwungen« worden sei. Dieser Opfermythos wurde sogar in die vorläufige Verfassung von 1945 aufgenommen, wo es heißt: »Angesichts der Tatsache, daß der Anschluß des Jahres 1938 […] durch militärische Bedrohung von außen und den hochverräterischen Terror einer nazifaschistischen Minderheit eingeleitet, einer wehrlosen Staatsleitung abgelistet und abgepreßt, endlich durch militärische kriegsmäßige Besetzung des Landes dem hilflos gewordenen Volke Österreichs aufgezwungen worden ist, […] angesichts der Tatsache, daß die nationalsozialistische Reichsregierung Adolf Hitlers kraft dieser völligen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Annexion des Landes das macht- und willenlos gemachte Volk Österreichs in einen sinn- und aussichtslosen Eroberungskrieg geführt hat, den kein Österreicher jemals gewollt hat […], unterlassen die unterzeichneten Vertreter aller antifaschistischen Parteien Österreichs […] die nachstehende Unabhängigkeitserklärung.«

Wie und was gedenken?

In ihrem Roman Die Kinder der Toten fasst Elfriede Jelinek diese Selbststilisierung Österreichs zum Opfer zusammen: »Wir verstricken uns zu einem Jammerlappen, daß nicht wir Ösis es sind, dieses Urvolk. Wir können ja nichts dafür. Wir sind nur die Nachbarn.« Der Opfermythos als offizielle österreichische Geschichtsschreibung wurde über Schulbücher tradiert, in Ausstellungen, Gedenkreden und wissenschaftlichen Publikationen formuliert, flankiert von einer Sichtweise, die die NS-Zeit in erster Linie aus der Perspektive der Regimegegner und -opfer betrachtete – wobei Opfer hier zuerst die österreichische Zivilbevölkerung meinte, eine Auseinandersetzung mit der Täterschaft und der Schuld Österreichs blieb dagegen weitestgehend aus. Erst in den Diskussionen im Vorfeld der Errichtung eines Denkmals zur Erinnerung an die Vertreibung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung, das am 25. Oktober 2000 in Wien eröffnet wurde, »wurden zum ersten Mal die traditionellen geschichtspolitischen Argumentationsmuster verlassen.« Statt ein Denkmal gegen eine »breite Verhinderungsfront« durchsetzen zu müssen, ging es vielmehr um die Frage wie an den »Zivilisationsbruch Auschwitz zu erinnern sei«.

Vor diesem Hintergrund ist es wenig verwunderlich, dass erst 2010 mit dem Projekt Mahnwache der Konzeptkünstlerin Ines Doujak die Verfolgung von Lesben, Schwulen und transsexuellen Personen in Österreich öffentlich und staatlicherseits erwünscht thematisiert wurde. Ein ursprünglich geplantes dauerhaftes Denkmal ist dagegen vorerst gescheitert; Hans Kupelwieser hatte 2006 den ausgeschriebenen Wettbewerb mit einem 20 mal 20 Meter großen, mit rosafarbenem Wasser gefüllten Becken, für sich entschieden. Es habe jedoch keine alltagstaugliche Farbe gefunden werden können, so die Begründung, weswegen die Pläne für ein dauerhaftes Mahnmal 2009 zunächst auf Eis gelegt wurden. Längerfristig soll jedoch am Morzinplatz ein dauerhaftes Mahnmal errichtet werden, allerdings wird die neue Ausschreibung eines Wettbewerbs bis nach der Sanierung des gesamten Platzes warten. Bis es so weit ist, sollen an diesem historisch so bedeutsamen Ort – bis zu seiner Zerstörung bei einem Luftangriff 1945 das Hotel Metropol, das ab März 1938 als Wiener Gestapoleitstelle diente – temporäre Projekte wie das Doujaks an die Verfolgung sexueller Minderheiten erinnern.

Die 1959 geborene Konzeptkünstlerin Ines Doujak macht »Kunst für Frauen, Migranten und Homosexuelle […], Kunst gegen Rassismus, Sexismus und Biopiraterie«, wie die Zeit erklärt. Am bekanntesten ist ihr Beitrag zur Documenta 12 in Kassel 2007, wo sie ihr Projekt Siegesgärten präsentierte. Es handelte sich hier um eine Auseinandersetzung mit der neokolonialen Praktik der ›inneren Landnahme‹ nach der ›äußeren Landnahme‹ des Kolonialismus, wie es in einem Beiheft zur Ausstellung erläutert wird: »Die ästhetische wie ethische ›Vielfalt des Lebens‹ wird zu einem Faktor der ökonomischen Wertschöpfung«. Die Ausstellung zeigte Samentüten in einem Beet, auf denen die »Aneignung von Natur und das Wissen um deren Nutzung durch transnationale Konzerne« thematisiert wurde. Andere Projekte von Doujak stellten das Verhältnis queerer Identitäten und der Mehrheitsgesellschaft in den Mittelpunkt oder fragten nach den gesellschaftlichen Stereotypen im Kontext des Alterns von Frauen. Immer wieder geht es ihr zentral um die Auseinandersetzung mit der Konstruktion von Identitäten. »Sie fragt, wie Zuschreibungen, Klischees, Normen und Ausgrenzungen zustande kommen, was es zum Beispiel heißt, dass jemand Frau, homosexuell, MigrantIn oder jüdisch ist.«

Auch Mahnwache interveniert in die Frage nach der Definitionsmacht identitärer Zuweisungen, gleichzeitig aber auch in die offizielle Gedenkpolitik. Im Interview erläutert Doujak das Konzept hinter dem Mahnwache-Projekt. Sie sagt, dass jede Kunst das Verhältnis von Material und Bedeutung verhandle. So gelinge es, eine Korrespondenz zwischen Themen und Formen herzustellen, in der diese Relationen in ihrer Komplexität nicht zu einer Abbildung verkomme oder sogar in einer gewaltförmigen Schematisierung ende. In Bezug auf die Gedenkpolitik fügt sie an: »Wenn Erinnerungs- und Gedenkstätten das Gewesene also nicht nur beschreiben, sondern auf ihre gegenwärtige Relevanz untersuchen wollen, müssen dafür Formen gefunden werden, die das Heute gegen das Vergangene denken – prozessual und offen, jenseits von vergewissernden sicheren Referenten.«

Von Juli bis Oktober 2010 fand jeden Freitag am Morzinplatz eine Mahnwache statt, bei der auf Plakaten die Profile schreiender Menschen zu sehen waren. Aus ihren Ohren läuft Blut, im Hintergrund der Gesichter befinden blaue Tintenspritzer, die in ihrer Anordnung nicht nur zufällig an Hitlers Lieblingsblume, die Kornblume, erinnern. Die Kornblume war auch das Symbol der antisemitischen Schönerer-Bewegung in Österreich und vor 1938 das Erkennungszeichen der österreichischen Nationalsozialisten – eine Tradition, die seit 2006 von der FPÖ fortgeführt wird, deren Abgeordnete seitdem zu konstituierenden Sitzungen des Nationalrats ebenfalls eine Kornblume tragen.

Eine Postkartenserie, die großflächig verteilt wurde, als weiterer Teil des Mahnwache-Projekts, zeigte im Unterschied zu den Plakaten die gleichen Menschen nicht vor diesem bedeutungsschweren Hintergrund, dafür aber mit Schlangen, die sich aus ihren Mündern winden. »VerUneindeutigung« nennt Doujak im Interview ihr Konzept in Anlehnung an die Gender-Theoretikerin Antke Engel. Lässt sich die Kornblume als Motiv noch historisch einordnen, so bleibt die Schlange nicht so leicht greifbar. »In der Bibel und der christlichen Ikonographie ist die Schlange die Personifizierung, Verbildlichung des Bösen und des Teufels. Gleichzeitig ist die Schlange in anderen Kulturen Sinnbild für Heilung und Klugheit, ist Glücksbringer und Statthalter der Ahnen«, erklärt die Homepage der Stadt Wien Doujaks Projekt. Doch sind dies nur einige wenige Deutungsmöglichkeiten, Schlangen tauchen in der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus etwa auch in Celans Todesfuge auf: »Er spielt mit den Schlangen und träumet der Tod ist ein Meister aus Deutschland«. Aber diese subjektive Assoziation führt genauso in die Irre wie die auf der Homepage der Stadt erwähnte des biblischen Verführers. Wer sollte auch wen zu was verführt haben?

»VerUneindeutingung« ist Ambivalenz dargestellt im öffentlichen Raum

Das Prinzip der Veruneindeutigung setzt Doujak als bewusste Strategie, die verhindern soll, ihr Projekt auf eine Aussage festzulegen. Sie entzieht sich damit vor allem dem Anspruch, in einem Mahnmal alle Homosexuellen repräsentieren zu wollen. »Ich würde mir überhaupt wünschen, dass in vielen Geschlechtlichkeiten gedacht wird«, sagt Doujak im Interview und fordert vom Betrachter von Mahnwache damit jene Flexibilität und Offenheit im Denken, die der Nationalsozialismus im Wahn, die »Familie als Zelle des Volkskörpers« schützen zu wollen, negierte. In der 1936 eingerichteten Reichszentrale zur Bekämpfung der Homosexualität und Abtreibung wurde die Zusammenfassung sexueller Minderheiten zu einer homogenen Gruppe institutionalisierte Realität.

Mahnwache setzt bewusst auf Ambivalenzen, und gerade die Präsenz im öffentlichen Raum und die Aufforderung, sich über das Verschicken der Postkarten in das Projekt einzuschreiben, fordert eine aktive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Schon 1951 hat Adorno in seiner Minima Moralia gemahnt, selbst das Vergangene sei nicht mehr sicher vor der Gegenwart, die es noch mal dem Vergessen weiht, indem sie es erinnert. Wenn Erinnerung sich in Ritualen erschöpft, so geht das zu Erinnernde darin verloren. Mahnmale können dieser Ritualisierung von Erinnerung in die Hände spielen, die Gegenwart von der Vergangenheit befreien. Dass aber auch die Gegenwart von dieser Vergangenheit bestimmt wird, macht Doujak nicht nur durch die über die Kornblumen repräsentierten Kontinuitäten im Denken klar. Sie weist darauf auch mit einem Zitat Homi Bhabhas auf der Rückseite der Postkarten hin: »Erinnern ist nie ein leiser Akt der Introspektion. Es ist ein schmerzhaftes Erinnern, ein Zusammenführen der zerstückelten Vergangenheit, um dem Trauma der Gegenwart einen Sinn zu geben.«

Man könnte diesem Konzept der Veruneindeutigung nun andererseits vorhalten, einer gewissen Beliebigkeit den Weg zu bahnen. Gerade die Vorgaben auf der Homepage der Stadt Wien, die Uneindeutigkeit des Schlangenmotivs auf den biblischen Verführer zurückzuführen und somit im Kontext der Verfolgung von Homosexualität plötzlich eine Dimension der Schuld zu etablieren, zeigt die Brüchigkeit und auch Gefährlichkeit eines solchen uneindeutigen Ansatzes. War doch eines der Argumente für die Einführung bzw. Beibehaltung der diskriminierenden Paragrafen der Schutz insbesondere der Jugend vor der Gefahr der »Verführung« durch Homosexuelle. Wenn die Veruneindeutigung des Gedenkens also auch diese Lesart zulässt und, statt an die Verfolgung zu erinnern, Vorurteile reproduziert, so muss sich Doujaks Projekt dieser Kritik stellen. Doujak sichert ihr Projekt jedoch gegen eine solche Interpretation ab, indem sie das inhaltlich veruneindeutigte Erinnern an einem konkreten Ort stattfinden lässt und dies in einer mit der Mahnwache eindeutigen Form politischer Artikulation.

Die Überlagerung unterschiedlicher Erinnerungsformen an einem Ort

Gerade die Geschichte des Ortes Morzinplatz ist nicht von dem dort stattfindenden Kunstprojekt Mahnwache zu trennen; einerseits als Ort der Verfolgung in der größten Gestapo-Dienststelle des Deutschen Reichs, andererseits als umkämpfter Ort des Erinnerns. Bereits 1951 wurde in einer nicht genehmigten Aktion vom kommunistischen KZ-Verband (Verband der antifaschistischen österreichischen Konzentrationslager-Schutzhäftlinge) ein Gedenkstein aufgestellt, um auf die zentrale Bedeutung dieses Ortes bei der Verfolgung hinzuweisen. Auf dem Stein war eine Inschrift des damaligen KZ-Verbandsvorsitzenden Wilhelm Steiner angebracht: »Hier stand das Haus der Gestapo. Es war für die Bekenner Österreichs die Hölle. Es war für viele von ihnen der Vorhof des Todes. Es ist in Trümmer gesunken wie das tausendjährige Reich. Österreich aber ist wiederauferstanden und mit ihm unsere Tote. Die unsterblichen Opfer.« 1985 folgte ein offizielles staatliches Denkmal, das den ursprünglichen Gedenkstein in sich integrierte, und auf das 1990 ein Anschlag verübt wurde. An der Stelle des durch Bomben zerstörten Hotels wurde 1968 ein Wohngebäude errichtet, an dessen Hinterseite auch ein Gedenkraum integriert wurde. In dem Wohnhaus, dem so genannten Leopold-Figl-Hof lebte zeitweise nicht nur Simon Wiesenthal, sondern es ist auch seit 1975 das Simon-Wiesenthal-Archiv darin untergebracht. Wie an nur wenigen anderen Orten in Wien überlagern sich am Morzinplatz unterschiedliche Formen des Erinnerns, stehen nebeneinander und, wie der Anschlag verdeutlicht, wird ebenso gewaltvoll gegen das Erinnern vorgegangen. Die Dokumentationsarbeit Simon Wiesenthals steht neben dem kommunistischen Gedenken an den Widerstand, das wiederum von einem staatlichen Erinnern im wahrsten Sinne des Wortes vereinnahmt wurde. In diesem Spannungsverhältnis bringt Ines Doujak ihr eigenes Projekt in Stellung, das in seinem Versuch, auch die eigene Präsenz als Mahnmal oder Kunstwerk ambivalent zu halten, eine Strategie ist, der Vereinnahmung durch die offizielle österreichische Erinnerungskultur zu entgehen und neue Wege der Erinnerung und des Gedenkens zu beschreiten. Auf einem Flyer zu dem Projekt heißt es dazu: »In einer Zeit, in der nur noch wenige AugenzeugInnen leben, stellt diese besondere Form des Erinnerns und Mahnens eine notwendige Aktualisierung und Weiterentwicklung in der österreichischen Gedenkkultur dar. Die künstlerische Arbeit begreift Erinnerung nicht als individuelle Gedankenleistung, sondern als einen kollektiven Prozess, der auf Erneuerung und Veränderung zielt.«

Die Eröffnung von Mahnwache sollte ursprünglich an die Wiener CSD-Parade anschließen, was letztendlich doch nicht gewünscht war, »wenn überhaupt was, wurde von organisatorischer Seite die Homo-Ehe propagiert«, so Doujak im Gespräch. Dieses Herausfordern von Widerspruch aufgrund der Uneindeutigkeit des Projekts zeigt sein Potential, tatsächlich Reibungen zu erzeugen, die zu einer Veränderung und Erneuerung des Erinnerns führen können. Dem nationalsozialistischen Familienmodell etwas entgegensetzen zu wollen, hat natürlich durchaus seine Berechtigung. Dass sich aber die Forderungen an den gesellschaftlichen Umgang mit uneindeutigen sexuellen Identitäten wie auch der Verfolgung dieser unter dem Nationalsozialismus darin nicht erschöpfen können und dürfen, zeigt das Werk Ines Doujaks.

JONAS ENGELMANN

Der Autor lebt in Mainz und ist Mitherausgeber des Magazins Testcard - Beiträge zur Popgeschichte.

Fußnoten

  1. Hubert Fichte, Hotel Garni. Die Geschichte der Empfindlichkeit, Band 1, Frankfurt a.M. 1987, 90.
  2. Hubert Fichte, Der blutige Mann. Sade, in: Ders., Homosexualität und Literatur 1. Polemiken. Die Geschichte der Empfindlichkeit, Paralipomena 1, Frankfurt a.M. 1987, 23–131.
  3. Rüdiger Lautmann, Die Politik des Vergessens – die Arbeit des Erinnerns, in: Burkhard Jellonek/Rüdiger Lautmann (Hrsg.), Nationalsozialistischer Terror gegen Homosexuelle. Verdrängt und ungesühnt. Paderborn 2002, 303.
  4. Burkhard Jellonek, Homosexuelle unter dem Hakenkreuz. Die Verfolgung von Homosexuellen im Dritten Reich, Paderborn 1990, 11.
  5. U.a. Rüdiger Lautmann (Hrsg.), Seminar: Gesellschaft und Homosexualität, Frankfurt a.M. 1977; Heinz Heger, Die Männer mit dem Rosa Winkel, Hamburg 1972. Zu dieser Auffälligkeit in der Veröffentlichungspolitik allgemein: Richard Plant, Rosa Winkel. Der Krieg der Nazis gegen die Homosexuellen, Frankfurt a.M. 1991, 23ff.
  6. Jörg Hutter, Zum Scheitern der Politik individueller Wiedergutmachung, in: Jellonek/ Lautmann (Hrsg.): Nationalsozialistischer Terror, 339–355.
  7. Angela H. Mayer, »Schwachsinn höheren Grades«. Zur Verfolgung lesbischer Frauen in Österreich während der NS-Zeit, in: Jellonek/ Lautmann (Hrsg.): Nationalsozialistischer Terror, 83–93. Die meisten der in Österreich unter diesem Paragrafen verfolgten Personen waren dennoch Männer. Frauen wurden dagegen meist unter der Kategorie »asozial« mit dem Schwarzen Winkel versehen in Konzentrationslager oder psychiatrische Anstalten eingewiesen. Dies., 83.
  8. Niko Wahl, Verfolgung und Vermögensentzug Homosexueller auf dem Gebiet der Republik Österreich zur NS-Zeit. Bemühungen um Restitution, Entschädigung und Pensionen in der Zweiten Republik, Wien 2004, 81. Zur Situation in Österreich auch: Günter Grau (Hrsg.), Homosexualität in der NS-Zeit. Dokumente einer Diskriminierung und Verfolgung. Frankfurt a.M. 1993, 255–261.
  9. Wahl, Verfolgung Homosexueller, 7.
  10. Zit. n. http://de.doew.braintrust.at/m21sm138.html.
  11. Katrin Hammerstein, Schuldige Opfer? Der Nationalsozialismus in den Gründungsmythen der DDR, Österreichs und der Bundesrepublik Deutschland, in: Regina Fritz/Carola Sachse/Edgar Wolfrum (Hrsg.), Nationen und ihre Selbstbilder. Postdiktatorische Gesellschaften in Europa, Göttingen 2008, 44.
  12. Proklamation über die Selbständigkeit Österreichs vom 27. April 1945, in: Staatsgesetzblatt für die Republik Österreich 1/1945, 1. Mai 1945, 1/2.
  13. Elfriede Jelinek, Die Kinder der Toten, Reinbek bei Hamburg 2000, 170.
  14. Heidemarie Uhl, Denkmäler als Medien gesellschaftlicher Erinnerung. Die Denkmal-landschaft der Zweiten Republik und die Transformationen des österreichischen Gedächtnisses, in: Fritz/Sachse/Wolfrum (Hrsg.): Selbstbilder, 81.
  15. Dies., 84.
  16. Dies.
  17. Zit. n. http://derstandard.at/1259282220488/Wiener-Mahnmal-fuer-homosexuelle-NS-Opfer-gecheitert.
  18. DIE ZEIT vom 09. August 2007.
  19. Ines Doujak, Siegesgärten/Victory Gardens, Wien 2007.
  20. Zit n. http://www.documenta12.de/fileadmin/vermittlung/Gruen_oder_so.pdf, 5.
  21. Doujak: Siegesgärten/Victory Gardens, unpaginiert.
  22. Zit. n. http://www.documenta12.de/fileadmin/vermittlung/Gruen_oder_so.pdf, 4.
  23. Interview mit dem Autor.
  24. Kurt Bauer, Nationalsozialismus. Ursprünge, Anfänge, Aufstieg und Fall, Wien 2008, 42f.
  25. Zit. n. http://derstandard.at/1224776573022.
  26. Doujak im Interview mit dem Autor. S. auch Antke Engel, Wider die Eindeutigkeit. Sexualität und Geschlecht im Fokus queerer Politik der Repräsentation, Frankfurt a.M. 2002.
  27. Zit. n. http://www.wien.gv.at/rk/msg/2010/07/02027.html.
  28. Paul Celan, Todesfuge, in: Dieter Lamping (Hrsg.), Dein aschenes Haar Sulamith. Dichtung über den Holocaust, München 1992, 185f.
  29. Theodor W. Adorno, Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben. Gesammelte Schriften (GS) 4, 52.
  30. Übersetzung des Originals: »Remembering is never a quiet act of introspection. It is a painful remembering, a putting together of the dismembered past to make sense of the trauma of the present«.
  31. Günter Grau, Verfolgung, »Umerziehung« oder »Ausmerzung« homosexueller Männer 1933–1945. Folgen des rassehygienischen Konzepts der Reproduktionssicherung, in: Grau (Hrsg.), Homosexualität, 31.
  32. Der KPÖ-nahe KZ-Verband ging nach der Auflösung aus dem alle Verfolgten vertretenden und von 1946 bis 1948 bestehenden Bund der politisch Verfolgten als österreichischer Bundesverband hervor.
  33. Uhl, Denkmäler, in: Fritz/Sachse/Wolfrum (Hrsg.), Selbstbilder, 72f.
  34. Zit. n. http://www.nachkriegsjustiz.at/vgew/1010_morzinplatz.php.
  35. Siehe zur Gedenkgeschichte dieses Ortes http://www.nachkriegsjustiz.at/vgew/1010_morzinplatz.php.
  36. An der Rückseite des Gebäudes, in der Salztorgasse 6, befindet sich die Gedenkstätte für die Opfer des österreichischen Freiheitskampfes. Der Eingang des Gedenkraumes befindet sich an der Stelle, wo früher der Hintereingang des ehemaligen Gestapogebäudes war.
  37. Zit. n. http://www.simon-wiesenthal-archiv.at/02_dokuzentrum/01_geschichte/01_gechichte.html.