Editorial

Zehn Jahre Phase 2. Das verführt zu stereotypen Formulierungen à la »wie die Zeit vergeht « oder zu Geschichten, die mit »weißt du noch« beginnen. Nicht so unser aktueller Medienschwerpunkt; wir blicken anlässlich des Jubiläums eher nach vorne als zurück. Dabei kann die Lektüre alter Phasen durchaus interessant sein. Auf jeden Fall amüsant. Gerade die ersten Ausgaben sind noch deutlich geprägt vom Durcheinander, thematisch und stilistisch. So orientierte sich beispielsweise die Bebilderung direkt am Inhalt: geht es um Anti-Rassismus, werden Bilder von Demos gegen Abschiebung im Text verteilt, die Vorstellung der Rubrik gender jungle verziert eine gezeichnete Frau mit Knarre usw. Noch heute gerne zitiert: der Abschiebeknast-Bastelbogen »zum Selbersprengen« als Gimmick in der ersten Ausgabe. Ach, lang ist‘s her.

Zehn Jahre Phase 2. Das verführt zu stereotypen Formulierungen à la »wie die Zeit vergeht « oder zu Geschichten, die mit »weißt du noch« beginnen. Nicht so unser aktueller Medienschwerpunkt; wir blicken anlässlich des Jubiläums eher nach vorne als zurück. Dabei kann die Lektüre alter Phasen durchaus interessant sein. Auf jeden Fall amüsant. Gerade die ersten Ausgaben sind noch deutlich geprägt vom Durcheinander, thematisch und stilistisch. So orientierte sich beispielsweise die Bebilderung direkt am Inhalt: geht es um Anti-Rassismus, werden Bilder von Demos gegen Abschiebung im Text verteilt, die Vorstellung der Rubrik gender jungle verziert eine gezeichnete Frau mit Knarre usw. Noch heute gerne zitiert: der Abschiebeknast-Bastelbogen »zum Selbersprengen« als Gimmick in der ersten Ausgabe. Ach, lang ist‘s her. 

Wenn auch einige der alten Texte antiquiert anmuten oder den AutorInnen inzwischen unangenehm sind, viel erschreckender sind die Stellen, die heute noch aktuell wirken. Schon im September 2002, also ein Jahr nach der ersten Phase 2, heißt es über den Kongress »Es geht um Israel« vom Berliner Bündnis IG Farben: »Die antideutsche Linke schmort notgedrungen und zum Teil selbstverschuldet im eigenen Saft. Die meisten Anwesenden dürften die Thesen schon in Zeitungen gelesen, im Internet überfolgen oder auf Kundgebungen gehört haben. […] Der Kongress hätte also die Chance geboten selbstkritisch Perspektiven antideutscher Agitation zu diskutieren, anstatt der Agitation erneut ein Podium zu verschaffen.« Der Artikel wendet sich gegen die ewig gleiche Abgrenzung zur Linken und endet mit der Forderung »die (antideutsche) Linke sollte, wenn sie unter sich ist, ehrlicher diskutieren und sich nicht mit dem Ablegen ritualisierter Bekenntnisse begnügen«. Darum bemühen wir uns nun schon ein Jahrzehnt: mehr Kritik und Diskussion statt Wahrheitsverkündung und Repetition. Und haben dies auch weiterhin vor. Also genug der Rückschau, vorwärts immer… Obwohl: noch ein kleines Zitat aus dem Editorial der Phase 2.01, das weiterhin gilt: »Wir sind gespannt auf eure Reaktionen, auf Kritik und Lob – und natürlich warten wir auf viele neue AbonnentInnen«. Wer jetzt die Phase abonniert, hat die Wahl zwischen vielen neuen Prämien. Das gab's früher nicht.

 

Revolution action forever

 

Phase 2, Berlin